Gegen politischen Missbrauch und totalitären Machtanspruch der Psychiatrie

 

 

Jahresversammlung der "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V."

 

 

München, den 4. 12. 1978

 

Kurz nach ihrem fünfjährigen Bestehen als eingetragener Verein hatten sich am Wochenende in München über 30 Mitglieder der "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." zu der diesjährigen Jahreshauptversammlung getroffen. Aus dem Rechenschaftsbericht des Kommissionsvorsitzenden Dieter Storz ging hervor, dass der Einsatz für die Rechte psychisch Kranker beträchtlich erweitert werden konnte. Dies galt insbesondere im Hinblick auf die über 600 psychiatriegeschädigten Patienten, die sich aus der ganzen Bundesrepublik an die Kommission wandten, um Hilfe zu erhalten.

 

Unter den Erfolgen, die aus der Arbeit der Mitglieder resultierten, waren 1978 besonders zwei von außerordentlicher Bedeutung: Im Niedersächsischen Landtag konnte die Kommission mit fundierten Eingaben erreichen, dass ein gefährlicher Entwurf für ein Psychiatriegesetz in wesentlichen Punkten abgeändert und einstimmig verabschiedet wurde. Das nun fortschrittliche und humanitäre Psychiatriegesetz stellt sicher, dass operative Eingriffe und Behandlungen, die mit Gefahr für Leben oder Gesundheit des Untergebrachten verbunden sind oder seine Persönlichkeit wesentlich oder auf Dauer nachteilig verändern, nur unter starken Einschränkungen und nur mit Einwilligung des Betroffenen nach vorhergehender Erläuterung der Behandlung vorgenommen werden dürfen. Ebenso hatte die Kommission in einer detaillierten Sachvorlage gemeinsam mit Politikern und Fachleuten auf die Gefahren einer "Drogendressur" für sogenannte "hyperaktive" Schulkinder hingewiesen.

 

Anschließend wählten die Vereinsmitglieder den Münchner Rechtsanwalt Hermann Poppinga zum neuen Vorsitzenden der Kommission. Die Verdienste des bisherigen Vorsitzenden Dieter Storz, der sich vor allem durch seine Publikationen über das Gebiet "Politische Psychiatrie" einen Namen machte, wurden durch seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden gewürdigt.

 

In einer Resolution - die an die Bundesärztekammer und die Bundesgesundheitsministerin Antje Huber gerichtet ist - wandte sich die Kommission in schärfster Form gegen politpsychiatrische Verleumdungen durch Ausstreuungen von psychiatrischen Diagnosen, die zur öffentlichen Diskriminierung von Medizin- und Psychiatriekritikern benutzt werden. Als Paradebeispiel hierfür wurde in der Resolution Medizinprofessor Julius Hackethal angeführt, der für seine Äußerungen von Kollegen mit üblen Beschimpfungen, wie "schwerer Psychopath", "ein Fall für den Psychiater", "Zwangsneurotiker" und "notorischer Querulant" eingedeckt wurde. Die Kommission stellte ausdrücklich fest, dass damit kein Urteil über die Behauptungen des Prof. Hackethal ausgesprochen worden ist, vielmehr ausschließlich die politpsychiatrische Mentalität, in der Bundesrepublik auf das Schärfste verurteilt und als verantwortungslos deklariert wurde.

 

Abschließend hielt der neu gewählte Ehrenvorsitzende der Kommission Dieter Storz ein viel beachtetes Referat zum Thema "Die totalitären Machtansprüche der Psychiatrie". Wohl an keiner Stelle kam die gefährliche Realität des Vortrags deutlicher zum Ausdruck, als in dem Zitat des Psychiaters J.L. Moreno, der 1968 auf dem "Internationalen Kongress für Gruppenpsychotherapie" in seiner Heimatstadt Wien ausführte: "Es gibt drei Weltanschauungen, die kommunistische, die demokratische und die psychiatrische." Weiter stellte er fest, dass "die größte Quelle der Unruhe, der Revolutionen und Kriege, sind die normalen Gruppen". Moreno gipfelte in der ungeheueren Forderung: "Eine Psychopathologie und Psychiatrie der normalen Gruppe ist daher unentbehrlich."

 

Aber auch in der Bundesrepublik verstiegen sich die Autoren der Psychiatrieenquete und zugleich Mitglieder ihrer Interessenvertretung "Aktion Psychisch Kranke" zu einer ähnlich unbeweisbaren, monopolistischen Behauptung: "Etwa jeder dritte Bundesbürger hat bereits einmal in seinem Leben irgendeine psychische Krankheit durchgemacht oder leidet daran'. In der Bundesrepublik Deutschland sind oder waren demnach rund 20 Millionen andauernd, wiederholt oder wenigstens einmal während ihres Lebens in irgendeiner Form unmittelbar betroffen."

 

Derartigen "unverschämten Versuchen", ein Drittel der Bundesbürger zu pathologisieren und die grundgesetzliche Menschenwürde zu missachten, will die Kommission in Zukunft noch entschiedener als bisher entgegentreten.

 

 

 

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Die KVPM wurde 1972 in München von Mitgliedern der Scientology Kirche gegründet und gehört zum weltweit größten Netzwerk zur Aufdeckung von Missbräuchen in der Psychiatrie.