Konferenz für die Rechte Kinder und Jugendlicher in der Psychiatrie

 

 

Diagnose: "sehr frech, laut, ordinär"

 

München, den 16. 2. 1978

 

Ein 16jähriges Mädchen wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Ein Teil ihrer Behandlung bestand dort aus "Elektrokrämpfen". Die Begründung dafür: Sie war "sehr frech, laut, ordinär".

 

Ein Jugendlicher beantragte Ausbildungsbeihilfe, um einen neuen Beruf erlernen zu können. Da er bereits dreimal in einer Nervenklinik war, entschied ein psychiatrisches Gutachten über die Gewährung der Beihilfe. In dem Gutachten wurde jedoch davon abgeraten, da es sich bei ihm um einen "evidenten Leistungsversager" handeln soll. Ein einwandfreies Schulentlassungszeugnis und eine bestandene Facharbeiterprüfung dokumentieren freilich das Gegenteil.

 

Der Jugendpsychiater Dr. Fetzner warnte letztes Jahr auf einem Fachsymposium davor, sich nicht als "bloßer Arzneimittelverordner missbrauchen zu lassen". Ganz anderer Meinung ist einer seiner Kollegen, der in einem Beitrag für die Zeitschrift "Praxis der Kinderpsychologie und Jugendpsychiatrie" schlichtweg zur "Intensivierung einer unspezifisch medikamentösen Therapie" bei "psychisch-geistigen Störungen des Kindesalters" anregt.

 

Der Vorsitzende der "Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiater" Prof. Müller-Küppers wiederum wusste schon 1976 von der "günstigen Wirkung einer Amphetamintherapie" zu berichten; ein Mittel, dass zur Psychostimulation überaktiver Kinder dienen soll und aus der Drogenszene als "Speed" oder "Pep-Pills" bekannt ist. Auf einen Artikel, in der vom bayerischen Kultusministerium herausgegebenen und an alle Schüler verteilten Zeitschrift "Schule und wir", indem unter der Überschrift "Pillen für den Zappelphilipp" ebenfalls dieses Mittel propagiert wurde, reagierten zahlreiche Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Lehrer und Erzieher mit einem erbosten Protestschreiben. In einem offenen Brief wiesen sie neben der Gefährlichkeit einer Amphetaminbehandlung vor allem auf den Trugschluss hin, "dass der Eindruck erweckt wird, man könne mit Drogen Konflikte lösen".

 

Die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." (Sitz München) plant nun eine Reihe von Konferenzen - von denen die Erste am kommenden Wochenende in München stattfindet - abzuhalten, um Möglichkeiten auszuarbeiten, wie solchen gefährlichen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie entgegengewirkt werden kann und wie die Rechte der Betroffenen wirksam geschützt werden können. Aus diesem Grund will die Kommission auch Vertreter des "Deutschen Kinderschutzbundes" und der "Aktion Jugendschutz" einladen.

 

 

 

 

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Die KVPM wurde 1972 in München von Mitgliedern der Scientology Kirche gegründet und gehört zum weltweit größten Netzwerk zur Aufdeckung von Missbräuchen in der Psychiatrie.