Untersuchung skandalöser Zustände in Westberliner Nervenklinik gefordert

 

 

Menschenrechtskommission wendet sich an Gesundheitssenator Pätzold

 

München, den 5. 10. 1978

  

Nachdem die Deutsche Akademie für Psychoanalyse (DAP) in Westberlin auf eine Reihe vorn Todesfällen und andere skandalöse Zustände in der dortigen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik hingewiesen hat, fordert jetzt die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." (Sitz München) in einem Schreiben an den zuständigen Senator für Gesundheit und Umweltschutz Erich Pätzold eine eingehende Untersuchung der schwerwiegenden Vorfälle und personelle Konsequenzen.

 

Von der DAP wurden drei Todesfälle genannt: So ist im vergangenen Jahr in einem Wachsaal der Klinik ein an Armen und Beinen gefesselter Patient in seinem Bett verbrannt. Kurze Zeit später hat sich auf derselben Station ein Patient mit einem Staubsaugerkabel erhängt. Im Juli 1978 ist ein selbstmordgefährdeter Patient in eine Einzelzelle eingesperrt worden, wo er mit Hilfe von Rasierklingen Selbstmord beging.

 

Die DAP hat dem Klinikdirektor Professor Wolfram Keup und einem Teil seiner Mitarbeiter vorgeworfen eine "schlimme Verwahrpsychiatrie" zu betreiben und die Frage aufgeworfen "wie viele Menschen noch sterben oder bis an ihr Lebensende in chronischen Stationen verschwinden müssen", ehe eingeschritten wird.

 

Wie die Kommission in ihrem Schreiben an den Berliner Gesundheitssenator betont, "zeigen die bekannt gewordenen Missstände eine mangelnde fachliche Qualifikation von Klinikdirektor Keup, die personelle Konsequenzen im Sicherheitsinteresse der untergebrachten Patienten erfordern". Ein weiterer Umstand, der Keup erheblich ins Zwielicht bringt, ist die Tatsache, dass er sich nach außen hin als "Drogenexperte" produziert, während in seiner eigenen Klinik selbst in geschlossenen Abteilungen ein reger Drogenhandel stattfindet, wie die DAP enthüllte.

 

"Bei so gravierenden Menschenrechtsverletzungen, bei denen Patienten an Leib und Leben gefährdet sind, wie die Vorfälle in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik gezeigt haben", fordert die Kommission von Gesundheitssenator Pätzolt "ein mutiges und umgehendes Eingreifen". Sie verweist in diesem Zusammenhang auf einen ähnlichen Psychiatrieskandal im Landeskrankenhaus Brauweiler bei Köln. Dort wurden, nachdem im Februar dieses Jahres eine Bürgerinitiative mysteriöse Todesfälle aufgedeckt hatte, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen aufgenommen, vier verantwortliche Psychiater strafversetzt und die Schließung der Anstalt angeordnet.

 

 

 

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Die KVPM wurde 1972 in München von Mitgliedern der Scientology Kirche gegründet und gehört zum weltweit größten Netzwerk zur Aufdeckung von Missbräuchen in der Psychiatrie.