Beschwerde gegen geplante Einführung neuer, willkürlicher psychiatrischer Diagnosen durch neuen Diagnosekatalog der World Health Organisation (WHO), ICD-11

Warnung vor Kostenexplosion im Gesundheitswesen und volkswirtschaftliche Schäden durch erfundene „Krankheiten“, in deren Folge es zu Krankschreibungen und Behandlungen wegen vorgeblicher psychischer Störungen kommt


21. Mai 2020


Sehr geehrte ...

 

das Kapitel "Psychische, Verhaltens- oder neurologische Entwicklungsstörungen" der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme (ICD-11) wurde im Mai 2019 von der jährlichen Versammlung der WHO verabschiedet.

Am 1. Januar 2022 soll es in Kraft treten und damit offiziell der Medizin als Nachschlagewerk dienen, um in Deutschland und in Europa zu bestimmen welches Verhalten als geistig gesund, welches als normal und was als Störung oder Geisteskrankheit anzusehen ist.
Quelle: https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/icd-11

Dieses Diagnosewerk hat keine wissenschaftliche Grundlage. Selbst Psychiater warnen vor einer Pathologisierung der Gesellschaft durch die große Zahl neu erfundener Krankheiten für normale menschliche Emotionen und die Wechselfälle des Lebens. Da dieses Werk auch zur Abrechnung von Behandlungskosten dienen soll, ist durch seine Veröffentlichung und Einführung mit einer künstlichen Explosion von Behandlungskosten und Krankschreibungen durch angebliche "emotionale Störungen" zu rechnen.

Das Kapitel der ICD-11 beruht auf dem amerikanischen Diagnosebuch DSM-5.
In den letzten Jahren machte unser Verein wiederholt mit diversen Sachvorlagen bundesweit Politiker und Entscheidungsträger des Gesundheitswesens darauf aufmerksam, dass psychiatrische Diagnosen und Diagnosekriterien in vollkommen unwissenschaftlicher Weise durch Mehrheitsbeschluss von Komitee-Mitgliedern der American Psychiatric Association (APA) in das Buch gewählt wurden.

Die Diagnosen sind derart haarsträubend, dass Prof. Allen Frances, Cheforganisator der "veralteten" Ausgabe des DSM (dem DSM-IV) als emeritierter Professor der Duke University, persönlich in Deutschland bei Pressekonferenzen vor der neuen Ausgabe des Diagnosebuches warnte: "Wir kommen an den Punkt, wo es kaum noch möglich ist, ohne eine geistige Störung durchs Leben zu kommen – oder zwei oder eine Handvoll.“  Prof. Frances weiter: „Die Folge wird die totale Medikalisierung des Normalen sein, die ernsthafte psychische Störungen trivialisieren und zu einer Flut unnötiger medikamentöser Behandlungen führen wird. DSM-5 könnte die Welt mit zehn Millionen neuer aber falscher Patienten füllen.“
Hierzu drei einschlägige Presseartikel:

Handelsblatt 23.10.2009: "Psychologie - Die Krankheit lauert überall"
www.handelsblatt.com/technologie/forschung-medizin/medizin/die-krankheit-lauert-ueberall/v_detail_tab_print,3286462.html

taz 13.05.2011: "Krankheitsbegriff wird erweitert - Psychiatrie für alle"
https://www.taz.de/!70621/

Süddeutsche Zeitung 10.07.2011: "Psychiatrie - Das Buch des Wahnsinns"
http://www.sueddeutsche.de/wissen/2.220/psychiatrie-das-buch-des-wahnsinns-1.1118134

 

Sie haben die Möglichkeit effektive Maßnahmen zu ergreifen, um eine willkürliche Kostenexplosion im Gesundheitswesen durch eine Pathologisierung normalen Verhaltens zu verhindern.

1. Wir fordern Sie auf alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit der medizinische Grundsatz "nihil nocere" (vor allem nicht zu schaden) durch eine psychiatrische Behandlung gesunder Menschen mit gefährlichen Psychopharmaka nicht zur Farce verkommt.

2. Klären Sie die Führungskräfte, Betriebsräte, Experten im Gesundheitswesen und die Öffentlichkeit über die unwissenschaftlichen Diagnosekriterien der Psychiatrie auf und setzen Sie durch, dass die DSM-5 Diagnosen aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Grundlagen hierzulande NICHT mit den Krankenkassen abgerechnet werden können.

3. Richten Sie einen entschiedenen Apell gegen die Übernahme dieses Machwerkes (DSM-5) in die kommende ICD-11 und die damit einhergehende Verbindlichkeit für das deutsche Gesundheitswesen.

4. Wenden Sie sich mit einer entsprechenden Begründung an das Bundesministerium für Gesundheit, das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) und an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), zur Kenntnisnahme ebenso an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und den GKV-Spitzenverband.

Begründung:

Eine Untersuchung eines psychologischen Instituts in den USA deckte auf, dass möglicherweise ein Geschäftsmodell der Industrie hinter der wachsenden Zahl neu erfundener Krankheitsbegriffe steckt:
Eine im Mai 2006 in den USA veröffentlichten Studie zeigte, dass 100% der Psychiater, welche die Kategorien von emotionalen Störungen (deren Behandlung fast immer aus Psychopharmaka besteht) per Abstimmung ins DSM einführten, verdeckte finanzielle Verbindungen zu Pharmafirmen hatten.
(Quelle: Lisa Cosgrove et.al.: „Financial Ties between DSM-IV Panel Members and the Pharmaceutical Industry“, in Psychotherapy and Psychosomatics, Band 75, Nr. 3, 2006, S. 154-160)

Prof. Frances äußerte öffentlich Reue über das Diagnosebuch, für das er einst maßgeblich mitverantwortlich war, nachdem erkannt wurde, dass diese Diagnosekriterien in den USA einen regelrechten Psychopillen-Boom bei Kindern verursacht haben, wodurch heute eine Million Kinder in USA fälschlicherweise schädigende Psychopharmaka erhalten.

Das Resultat: Dreifacher Schaden für die Gesellschaft:
- Volkswirtschaftlicher Schaden durch steigende Arbeitsausfälle wegen „psychischer
   Störungen“, die keine sind. Nach dem Motto: Des Kaisers neueste Kleider.
- Kostenexplosion durch steigende Behandlungskosten für das Gesundheitssystem.
- Geschädigte Patienten mit gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Einsatz
  von Psychopharmaka mit gefährlichen Nebenwirkungen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Krankschreibungen wegen fragwürdiger Psycho-Diagnosen mehr als verdreifacht. Zu diesem Befund kommt eine Langzeit-Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Hochgerechnet seien folglich bundesweit 2,2 Millionen Menschen deshalb krankgeschrieben worden, heißt es in der Studie. Seelenleiden lagen damit im vergangenen Jahr auf dem dritten Platz aller Krankheitsarten, die zu beruflichen Ausfallzeiten führten.

Allerdings bestreitet z.B. der Neurologe und Psychologe Michael Linden von der Berliner Charité vehemend, dass sich die Zahl psychischer Störung tatsächlich erhöht hat. Die Quote der Betroffenen sei „über die Zeit hin und auch international sehr stabil“, sagt er. Nicht die Zahl psychischer Störungen habe zugenommen, sondern die entsprechender Diagnosen. Teils gehe das darauf zurück, dass Ärzte durch die Kassen dazu aus finanziellen Gründen angehalten würden. Teilweise sei die „Krankheitsschwelle“ nach unten verschoben worden.
Quelle: Tagesspiegel, 25.07.2019

Die Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) macht in ihrem Positionspapier des Fachausschusses Psychopharmaka vom 12. Juni 2019 auf eine gravierende Entwicklung in Deutschland aufmerksam:

„In der Behandlung von depressiven Erkrankungen nimmt die Verschreibung von antidepressiven Medikamenten konstant zu. Aktuell werden in Deutschland 1,5 Milliarden Tabletten pro Jahr verordnet. Das ist eine Versiebenfachung im Vergleich zu 1991 – bei nur geringer Erhöhung der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig zeigt sich keine Verringerung der krankheitsbedingten Ausfälle und sogar eine lineare Erhöhung der Anzahl der Berufsunfähigkeitstage und der Berufsunfähigkeitsrenten wegen Depressivität.“
Quelle: https://www.dgsp-ev.de/fileadmin/user_files/dgsp/pdfs/Stellungnahmen/DGSP_FA_Psychopharmaka_Annahmen_und_Fakten_Antidepressiva_2019.pdf 

 

Hier einige Beispiele von aus dem DSM-5 in die ICD-11 übernommenen Diagnosen (mit teilweise leicht angeändertem Wortlaut), nun im "Kapitel 06 Psychische, Verhaltens- oder neurologische Entwicklungsstörungen" zu finden (vorläufig noch auf Englisch):

6A70 Single episode depressive disorder
("Depressive Störung mit einer einzelnen Episode"):
Es reicht bei dieser "Diagnose", so wie bei allen anderen gelisteten "depressiven Störungen" aus, wenn die Person zwei Wochen darunter leidet, um sie als "behandlungsbedürftig" zu klassifizieren. Wer also künftig z.B. länger als zwei Wochen um den Verlust einer geliebten Person trauert, gerät ins Visier der Psychiatrie. 

6A73 Mixed depressive and anxiety disorder
("Gemischte depressive und Angststörung"):
Dieser Zustand ist nicht von den emotionalen Tiefen und Sorgen zu unterscheiden, die jeder einmal erlebt.

6B24 Hoarding disorder
("Hortungsstörung"):
Diese Neukreation lässt alle Sammler und Hobbybastler ins Raster der Psychiatrie geraten, die ihren Keller, Speicher oder die Garage für längere Zeit nicht aufgeräumt haben oder Gegenstände behalten "die sie noch gebrauchen könnten".

6B45 Disinhibited social engagement disorder
("Enthemmtes-Soziales-Engagement-Störung"):
Das ist der Freifahrtschein um jegliche engagierte Freiheits-, Friedens- oder Umweltaktivisten dieser Welt als "psychisch krank" abzustempeln und dann ggf. gegen ihren Willen zu "behandeln".

6B82 Binge eating disorder
("Fressattacken"):
Wer hat die im Heißhunger nicht schon mal gehabt?

6C50 Gambling disorder
("Spielsucht" - Roulette, Automaten ect., auch online)
und
6C51 Gaming disorder
("Computerspiele-Sucht" - an der Konsole, am PC etc.):
Künftig sind die Zocker und Gamer dieser Welt ebenfalls Fälle für die Anstalt. Wehe dem, der das nächste oder das Top-Level seines Videospiels knacken will und dafür eine Nacht durchspielt und die Vorlesung am nächsten Tag verschläft oder "blau macht", oder für die nächste Games Convention trainiert. All das kann künftig als "psychisch krank" eingestuft werden. Ein Anruf einer besorgten Mutter beim Gesundheitsamt ("Was hat der Junge bloß?") kann eine Zuführung in die Psychiatrie veranlassen.

6C73 Intermittent explosive disorder
("Jähzorn-Störung"):
Auch der "Grantlhuber" kann jetzt in jedem Dorf behandelt werden.

6C90 Oppositional defiant disorder
("Oppositionelle Trotzstörung"):
Ein "Klassiker" der Diagnosen für Kinder & Jugendliche aus der ICD-10, hier in neuer Kodierung. Der Streit mit dem Teenie, ob er Samstags um 23 oder erst um 24 Uhr nach Hause kommen darf, kann nun psychiatrisch therapierbar gemacht werden.

6D71 Mild neurocognitive disorder
("Milde neurokognitive Störung"):
Damit geraten nun Menschen in das Rastersystem der Psychiatrie, die im Alter milde Gedächtnisprobleme zeigen.

Quelle: IDC-11 (Version 04/2019),
"06 Mental, behavioural or neurodevelopmental disorders":
https://icd.who.int/browse11/l-m/en 

 

Keine andere medizinische Disziplin könnte derart willkürlich und unwissenschaftlich verfahren. Niemand käme auf die Idee über die Existenz von Krebs, einer Lungenentzündung oder eines Knochenbruchs per Abstimmung bzw. Mehrheitsbeschluss zu entscheiden, dennoch bildet diese Methode die Grundlage für die Existenz der gegenwärtigen psychiatrischen Diagnosen. Die Folgen sind volkswirtschaftlich und gesundheitlich gravierend.

Wir würde uns freuen, wenn Sie uns über die von Ihnen eingeleiteten Maßnahmen informieren.

Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Trepping
Präsident

Kommission für Verstöße der Psychiatrie
gegen Menschenrechte Deutschland e.V.
Beichstraße 12 a
80804 München

Tel.: 089 - 273 03 54
info@kvpm.dewww.kvpm.de

Vereinssitz München, VR 8166 Amtsgericht München
Die deutsche Kommission wurde 1972 von Mitgliedern
der Scientology Kirche in München gegründet.

 

Hier einige Fakten, welche die Dringlichkeit einer Reform der psychiatrischen Diagnostik verdeutlichen:

Mit Sorge verfolgen wir seit Jahren die ungebrochen steigenden Verschreibungszahlen von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche aufgrund der Diagnose "ADS/ADHS" und machen Politik und Öffentlichkeit auf diese Problematik aufmerksam.

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 57,8 Millionen Tagesdosen Psychostimulanzien im Wert von 117,7 Millionen Euro an Kinder und Jugendliche verordnet. Das meistverschriebene psychiatrische Stimulans Methylphenidat (enthalten in Ritalin, Medikinet, Concerta, Equasym u.a.) wurde im Wert von 93,6 Millionen Euro verschrieben.
(Quelle: Arzneiverordnungs-Report 2010)

Methylphenidat kann zu so gravierenden Nebenwirkungen führen wie Herz-Kreislauf-Versagen und Schlaganfall, weiterhin kann es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Wachstumsverzögerungen u.a. kommen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte die Entscheidung der EU Kommission umgesetzt und eine Zulassungsänderung zum 1. September 2009 verfügt. Darüber hinaus hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Arzeimittelrichtlinie für Methylphenidat, aufgrund des Risikos, das vor allem für Kinder und Jugendliche mit der Einnahme dieser Substanz verbunden ist, mit Wirkung zum 1. Dezember 2010 verschärft.

Die Diagnosekriterien für ADS/ADHS stammen von einer Abstimmung mit Handzeichen während einer Tagung eines Komitees der American Psychiatric Association (APA) im Jahr 1987, bei der die Diagnosekriterien für „ADS/ADHS“ als psychische Störung bzw. Krankheit durch Mehrheitsbeschluss der Teilnehmer ins Leben gerufen und anschließend im psychiatrischen Diagnosebuch DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) verschreibungsfähig gemacht wurde.

So wurden hierzulande letztes Jahr Tranquilizer im Wert von 82 Millionen Euro, Antidepressiva im Wert von 656 Millionen Euro und Neuroleptika im Wert von über 1 Milliarde Euro verordnet. (Quelle: Arzneiverordnungs-Report 2010)

Hier finden Sie eine Chronologie internationaler Warnungen von Arzneimittelbehörden vor gefährlichen „Neben“-Wirkungen von Psychopharmaka:

www.kvpm.de/fakten/schadensersatzklagen-wegen-psychopharmaka/

 
Bis diese Warnungen endlich offiziell ausgesprochen wurden, waren bereits Tausende Hilfesuchender todbringenden Nebenwirkungen zum Opfer gefallen.

Mit der Aufdeckung der Risiken von Psychopharmaka haben sich die Schadenersatzklagen entsprechend erhöht. Anbei eine Kurzbeschreibung einiger Fälle, in denen Pharmafirmen insgesamt mehr als 4,9 Milliarden US Dollar (3,3 Milliarden Euro) an straf- und zivilrechtlicher Buße oder in einem Vergleich gezahlt haben.

Das DSM-5 ist Vorbild für die in Europa erscheinende ICD-11

Die Gefahr dieses Werkes für die Bundesbürger:
In Deutschland und den anderen EU-Ländern wird das DSM zwar nicht zur Diagnose und zur Abrechnung mit den Krankenkassen verwendet, wohl aber zum Zwecke der psychiatrischen Forschung und „Konsensbildung“. Zur Diagnose psychischer Störungen und zur Abrechnung der Behandlungskosten wird europaweit noch das "Kapitel V - Psychische und Verhaltensstörungen" der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme (ICD, aktuelle Ausgabe 10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet. Dieses Kapitel beruht jedoch auf dem DSM, und viele neu erfundene Störungen haben in die beschlossene ICD-11 Eingang gefunden und können gesunde Menschen aufgrund einer Verhaltensweise oder eines Lebensstils pathologisieren.