Menschenrechtsschutz als „Anschlag“ auf die Psychiatrie? Frankfurter Ausstellung greift Streit um gemeinsame WHO-/UN Leitlinie gegen Zwangsbehandlung auf

„Psychiatrie: Tod statt Hilfe“ bis 11. Oktober geöffnet – offizielle Eröffnung am 6. Oktober mit Volljurist und Menschenrechtsverteidiger Michael Langhans

Frankfurt am Main, 5. Oktober 2026. Während führende deutsche Psychiater öffentlich gegen die Leitlinie der WHO/UN zur Abschaffung von Zwangsbehandlung Stellung beziehen, zeigt die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland e. V. (KVPM) in Frankfurt die internationale Wanderausstellung „Psychiatrie: Tod statt Hilfe“. Sie ist seit gestern in der Kaiserstraße 41, im 1. Stock, geöffnet und kann bis einschließlich Sonntag, 11. Oktober, kostenfrei besucht werden.

Die 2023 gemeinsam von WHO und UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) herausgegebene Mental health, human rights and legislation: guidance and practice fordert einen Paradigmenwechsel: Abschaffung von Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung zugunsten eines Systems, das auf freier und informierter Zustimmung basiert. Die WHO selbst beschreibt die WHO/OHCHR-Leitlinie ausdrücklich als Grundlage für Gesetzesreformen zur Beseitigung von Zwang in der psychiatrischen Versorgung.

Sie fordert für Elektrokrampftherapie (EKT) – wie auch für andere potentiell eingreifende Behandlungen – volle freie und informierte Zustimmung sowie Schutz vor Zwang. Zudem fordert sie ein gesetzliches Verbot von EKT bei Kindern und Jugendlichen. Sie begründet die besonders strengen Anforderungen an EKT unter anderem mit möglichen langfristigen schädlichen Wirkungen wie Gedächtnisverlust und Hirnschädigung.

Menschenrechtsschutz als Bedrohung für die Psychiatrie dargestellt

Wie heftig selbst grundlegende Schutzempfehlungen von deutschen Psychiatern bekämpft werden, zeigt ein Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 1. April 2026. Darin bezeichnet Alexander Sartorius, Leiter der Abteilung für EKT am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, den WHO-Vorstoß als „ein brutaler Anschlag auf die biologische Psychiatrie“. Prof. Thomas G. Schulze, gewählter Präsident des Weltverbands für Psychiatrie (WPA), warnt vor einer Umsetzung der WHO-Richtlinien: „Das wäre fatal.“

Die KVPM kritisiert diese Aussagen als alarmierende Verkehrung des Menschenrechtsschutzes: Empfehlungen, die Menschen vor Eingriffen ohne freie und informierte Zustimmung schützen sollen, werden als Angriff auf die Psychiatrie dargestellt. Ausgerechnet zwei deutsche Psychiater stellen damit zentrale Schutzempfehlungen der WHO öffentlich infrage. Ihre Behauptung eines therapeutischen Nutzens der EKT beantwortet nicht die entscheidende Frage wie die Selbstbestimmung der betroffenen Menschen gewahrt wird.

Für die KVPM zeigt dieser Widerstand, warum unabhängige Menschenrechtsarbeit und öffentliche Aufklärung dringend notwendig sind. Die Freiheit, eine Behandlung abzulehnen, darf nicht zum Hindernis erklärt werden, das es zu überwinden gilt, und schon gar nicht umstrittene Methoden wie Elektroschocks der Psychiatrie. Die Frankfurter Ausstellung greift diesen Konflikt auf und rückt die Umsetzung der gemeinsame WHO/UN Leitlinie in den Mittelpunkt, um die Rechte der Menschen zu schützen, über deren Behandlung entschieden wird.

Ein Thema, das alle angeht

Die Ausstellung „Psychiatrie: Tod statt Hilfe“ zeigt eine Chronologie der Praktiken der Psychiatrie – von ihren Anfängen bis zur Gegenwart und legt offen, was sonst oft im Verborgenen bleibt. Im Mittelpunkt stehen Menschenrechtsverletzungen und die Gefahr psychiatrischer Übergriffe, die theoretisch jeden treffen können. Jeder kann durch willkürliche und unwissenschaftliche, subjektiv geprägte psychiatrische Gutachten selbst zum Betroffenen werden. Der Schutz vor Zwang und Gewalt in psychiatrischen Einrichtungen ist deshalb ein Anliegen, das alle angeht.

Die Ausstellung zeigt auf 14 Stellwänden und acht Videostationen auf 200 Quadratmetern Fläche, wie psychiatrische Behandlungen oft weit mehr Schaden anrichten als Hilfe bieten. Ziel der Ausstellung ist es, die Öffentlichkeit aufzuklären, zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, um sich vor den zerstörerischen Auswirkungen psychiatrischer Praktiken zu schützen.

Offizielle Eröffnung am 6. Oktober um 19 Uhr

Die offizielle Eröffnungsveranstaltung findet am Dienstag, den 6. Oktober, um 19 Uhr statt. Zu den Eröffnungsrednern gehört Michael Langhans, Volljurist und Verteidiger für Menschenrechte.

Weiterer Sprecher ist der Buchautor und Co-Autor Peter Talkenberger, der sich bereits in den frühen 1990er Jahren als Redakteur und Autor einen Namen machte und rund 35 Bücher verfasste. Er war auch einer der maßgeblichen Redakteure des Buches „Die Männer hinter Hitler“, das bereits 1994 aufzeigte, dass rassenhygienische und eugenische Vorstellungen von führenden Psychiatern lange vor der nationalsozialistischen Machtübernahme entwickelt und propagiert wurden und Psychiater später selbst Konzepte entwickelten und organisatorische Voraussetzungen für den systematischen Massenmord an ihren Patienten schufen.

Auch Vorstandsmitglieder der KVPM Deutschland e.V. werden sprechen. Die Veranstaltung dauert etwa 45 bis 60 Minuten und bietet Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Medienvertreter und interessierte Besucher sind herzlich eingeladen.

Veranstaltungsdaten

Ausstellung: „Psychiatrie: Tod statt Hilfe“
Zeitraum: 5. bis 11. Oktober 2026
Ort: Kaiserstraße 41, 1. Stock, 60329 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: täglich 10–21 Uhr, Freitag und Samstag 10–22 Uhr
Offizielle Eröffnung: Dienstag, 6. Oktober 2026, 19 Uhr
Eintritt: frei

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